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Montag, 12. August 2019

Von Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden
Dr. Ulrich Stephan
Sehr geehrter Herr Hintze,

sieben Zentralbanken senken ihre Leitzinsen, politisches Risiko kehrt zurück an Italiens Anleihemarkt, und nur zwei von 47 Stoxx-600-Banken haben in den letzten drei Monaten den Gesamtmarkt geschlagen.

 
Negative Stimmung, negative Zinsen

Neuseeland, Indien, Thailand, Weißrussland, die Philippinen, Serbien und Peru: Sieben Zentralbanken haben letzte Woche ihre Leitzinsen gesenkt. Auf rund 740 Absenkungen komme ich damit seit der Großen Finanzkrise, weitere dürften folgen. Schwache deutsche Industriedaten, der US-Vorwurf über chinesische Währungsmanipulation und niedrige Inflationszahlen aus China trugen zusätzlich zum global sinkenden Zinsniveau bei. Die Rendite deutscher zehnjähriger Bundesanleihen fiel unter minus 0,6 Prozent. Nachdem auch die irische zehnjährige Staatsanleihe letzte Woche unter null fiel, rentieren Euro-Staatsanleihen dieser Laufzeit nur noch in Spanien, Portugal, Zypern, Italien und Griechenland im Plus. Erste Stimmen werden laut, die selbst die Rendite zehnjähriger US-Treasuries im Minus erwarten. So weit würde ich nicht gehen, einen baldigen signifikanten Anstieg der Renditen erwarte ich aber auch nicht.

 
Italo-Bonds auf Talfahrt

Vizepremier Matteo Salvini, dessen Lega-Partei in aktuellen Umfragen mit 38 Prozent deutlich vorne liegt, schickte mit seinen Forderungen nach Neuwahlen die Kurse italienischer Staatsanleihen auf Talfahrt. Die Lega beantragte ein Misstrauensvotum gegen die Regierung Giuseppe Contes, über das bis zum 20. August abgestimmt werden muss. Damit kehrt politisches Risiko zurück an den dortigen Anleihemarkt, der zuletzt von der globalen Renditejagd getrieben wurde. Laut Juni-Daten investierten japanische Investoren rekordverdächtige 2,3 Milliarden Euro in italienischen Papieren. Durch die jüngste Entwicklung kam es nun zum größten Ausverkauf 2019. Die Rendite zehnjähriger Italo-Bonds stieg in den vergangenen Tagen von 1,4 auf fast 1,8 Prozent. Ich halte diese (Risiko‑)Anpassung für überfällig und sehe über die kommenden Monate noch Spielraum in Richtung über zwei Prozent.

 
Europas Banken straucheln

In den letzten drei Monaten haben nur zwei von 47 Stoxx-600-Banken den Gesamtmarkt geschlagen – und das, obwohl dieser in dem Zeitraum um nicht einmal ein Prozent gestiegen ist!

Gründe für die schwache Performance sind der starke Rückgang der Zinsen, zunehmende Sorgen um das globale Wachstum und fortbestehende Unklarheiten rund um den Brexit. Folglich haben Analysten im vergangenen Monat ihre Gewinnprognosen für 80 Prozent der europäischen Banken gesenkt – negativer Spitzenwert im Index. Kaum verwunderlich, dass Investoren den Sektor derzeit meiden. Die Bewertung war nur zu Zeiten der Großen Finanzkrise niedriger, trotzdem kann ich noch kein grünes Licht für einen Einstieg geben. Für eine Outperformance des Sektors bedarf es einer anhaltenden Erholung des Wachstums sowie steigender Zinsen – beides erwarte ich kurzfristig nicht.

 
Chinas Wachstum verlangsamt sich

Der nach Ministerpräsident Li Keqiang benannte Index für Chinas Konjunktur hat sich nach einem deutlichen Rückgang im Mai zuletzt wieder erholt. Er deutet jedoch weiterhin auf eine Verlangsamung des Wachstums hin. Die chinesische Wirtschaft scheint demnach weiterhin anfällig, sollten die USA im Handelsstreit zusätzliche Zölle auf chinesische Güter verhängen. Ich erwarte jedoch, dass sich Peking mit einer Verlangsamung des Wachstums im vorgegebenen Band von 6,0 bis 6,5 Prozent zufriedengeben wird und erst bei einer deutlichen Konjunkturschwäche zu weiteren fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen greift. Daher bestehen kurzfristig Risiken für weitere Rücksetzer am Markt. Der MSCI China hat seit seinem Zwischenhoch Anfang April über 13 Prozent verloren.

 
Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche | US-Berichtssaison für das zweite Quartal neigt sich dem Ende zu, in Europa berichten Henkel, Lufthansa und RWE.

 

Montag | Feiertagsbedingt bleibt die Börse in Japan geschlossen.

 

Dienstag

  • Japans Juli-Erzeugerpreise und Maschinenwerkzeugaufträge, Juni-Maschinenaufträge folgen Mittwoch. Der Konflikt mit Südkorea dürfte die schwache Konjunktur belastet haben. Es wird erwartet, dass sich die negative Entwicklung aller Datenpunkte verstärkt.
  • ZEW-Index Deutschland für August. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen dürften sich weiter eintrüben.
  • US-Inflationsrate, die sich seit Jahresbeginn zwischen 1,5 und 2,0 Prozent bewegt und mit 1,7 Prozent im Juli erwartet wird.

Mittwoch

  • Chinas Juli-Industrieproduktion und -Einzelhandelsumsätze. Nach einer Verbesserung im Juni werden sie nun leicht schwächer erwartet.
  • Vorläufiges Quartalswachstum Deutschlands und der Eurozone geben eine Indikation für die nachlassende Konjunktur Europas. Da diese vor allem auf die Industrieschwäche zurückzuführen ist, stehen die ebenfalls erscheinenden Zahlen zur EU-Industrieproduktion im Juni besonders im Fokus. Diese sollte mit minus 1,3 Prozent im Vorjahresvergleich schwächer ausfallen.
  • Entwicklung der britischen Verbraucher- und Erzeugerpreise im Juli. Donnerstag folgen die Juli-Einzelhandelsumsätze. Die zunehmende Wahrscheinlichkeit für einen Harten Brexit dürfte die Kauflaune der Konsumenten dämpfen, weshalb das Plus der Einzelhandelsumsätze mit lediglich 2,3 Prozent im Jahresvergleich schwächer als im Juni erwartet wird.

Donnerstag

  • Empire State Index sowie Philly Fed Index für August. Die wichtigen regionalen Stimmungsindizes der US-Industrie könnten sich beide halbieren, nachdem sie sich zuletzt stark verbessert hatten. Sie könnten jedoch weiter im Plus bleiben.
  • US-Einzelhandelsumsätze sowie Daten zur US-Industrieproduktion im Juli. Erstere dürften sich leicht schlechter, letztere leicht besser entwickelt haben als im Juni.

Freitag | US-Verbrauchervertrauen für August der Uni Michigan dürfte sich auf 97,1 Punkte abgekühlt haben und damit weiter unter den langlaufenden Durchschnitt sinken.

 
Zahl des Tages: 2

Irgendwie sehen alle Autos so gleich aus – das hat sich wohl auch eine Kanadierin gedacht, die auf einem Supermarktparkplatz ihren Mietwagen suchte. Ah, da war er: Die Tür war offen, der Schlüssel auf dem Beifahrersitz. Sie fuhr den Wagen noch zwei Wochen lang. Erst bei der Rückgabe wurde klar: Sie war nicht in ihren Mietwagen gestiegen, sondern in ein ähnlich aussehendes Modell. Ob dessen Besitzer sich stattdessen den Mietwagen geschnappt hat, ist leider nicht bekannt.

 

Also: nie den Schlüssel im Wagen lassen!

 

Herzlichst

Ihr Ulrich Stephan

Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden 

 
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